Wie BESS die Widerstandsfähigkeit Europas in Zeiten geopolitischer Turbulenzen stärkt

Ende Mai 2025 kam es in Spanien und Portugal zu einem großflächigen Stromausfall, der für Millionen von Menschen Strom und kritische Infrastruktur außer Betrieb setzte. Dieses Ereignis machte eine beunruhigende Tatsache deutlich: Selbst wenn Europa stark in erneuerbare Energien investiert, fehlt es an einer Speicherinfrastruktur, die unerwartete Netzausfälle überstehen kann.
Angesichts wachsender geopolitischer Spannungen und eskalierender Cyber-Bedrohungen sind Batteriespeichersysteme (BESS) mehr als nur eine Technologie für saubere Energie geworden. Sie stellen jetzt eine zentrale Säule der europäischen Energiesicherheit dar.
Der Stromausfall auf der iberischen Halbinsel hat eine zentrale Schwachstelle der solaren Stromversorgung aufgezeigt. Obwohl vielerorts PV‑Anlagen installiert sind, konnten sie während des Ausfalls keinen Strom liefern, da netzgekoppelte Wechselrichter bei Frequenzabweichungen automatisch abschalten. Ohne Batteriespeicher und hybride Wechselrichter, die einen Inselbetrieb ermöglichen, bleiben Solaranlagen in solchen Situationen wirkungslos.
Dies ist nicht nur ein technisches Problem, sondern auch ein blinder Fleck der Politik. In ganz Europa haben sich die Energiestrategien weitgehend auf Stromerzeugung sowie Übertragung konzentriert. Aber der Stromausfall betont die zentrale Rolle der Speicherung. Ohne BESS kann die Solarenergie keine Rolle bei der Notfallvorsorge spielen.
„Der Stromausfall in Spanien und Portugal hat uns daran erinnert, dass erneuerbare Energien ohne Speicherung nicht als echtes Backup dienen können. Batteriesysteme verwandeln intermittierenden Strom in zuverlässige Energie.“
Bei der Umstellung auf erneuerbare Energien muss Europa die Stromversorgung stabil und resilient gestalten – auch gegenüber geopolitischen Risiken und Störungen. Batterie-Energiespeichersysteme (BESS) spielen dabei eine Schlüsselrolle: Sie speichern überschüssige erneuerbare Energie, gleichen Erzeugungsschwankungen aus und reduzieren den Bedarf an fossilen Energieimporten. Um die Versorgungssicherheit langfristig zu stärken, gewinnt zudem der Aufbau einer wettbewerbsfähigen europäischen BESS-Industrie an Bedeutung und kann Abhängigkeiten von externen Lieferanten verringern.
Der Krieg in der Ukraine, schwankende Gaslieferungen und der zunehmende globale Protektionismus verändern die europäische Energielandschaft. Was einst ein Gespräch über die Dekarbonisierung war, ist jetzt eine Frage der nationalen Widerstandsfähigkeit. Die Gaspreise sind nach wie vor volatil, und die Strompreisereagieren entsprechend hierauf. Europa kann nicht mehr von einem stabilen Zugang zu Energieimporten oder Komponenten für kritische Infrastrukturen ausgehen.
Vor diesem Hintergrund gewinnen Batterie-Energiespeichersysteme (BESS) deutlich an Bedeutung. Speichersysteme ermöglichen es den Ländern, die Nutzung einheimischer erneuerbarer Ressourcen zu maximieren, die Abhängigkeit von importierten fossilen Brennstoffen zu verringern und die Netzflexibilität zu erhöhen. Außerdem bieten sie einen Puffer gegen Stromausfälle, insbesondere bei Cyberangriffen oder Versorgungsunterbrechungen.
“ Bei der Widerstandsfähigkeit von Energie geht es nicht nur darum, wie viel Solaranlagen Sie installieren. Ohne Speicherung bleibt saubere Energie verwundbar. Und ohne Speicher, die nach vertrauenswürdigen europäischen Standards und Protokollen gebaut werden, wird die Speicherung selbst zu einem neuen Risiko.“
Cybersicherheit ist zu einem zentralen Thema für die Energieinfrastruktur geworden. Mit der zunehmenden Vernetzung von BESS durch Überwachungsplattformen und Netzintegrationen wächst das Risiko digitaler Störungen. In diesem Zusammenhang wird in Europa verstärkt vor Sicherheitsrisiken in Hard- und Softwarekomponenten gewarnt, insbesondere wenn diese aus Lieferketten stammen, die außerhalb der europäischen Regulierung und Kontrolle liegen.
Der Import von Batterien und Software von geopolitischen Rivalen erhöht das Risiko der Datenexfiltration, der Unterbrechung von Diensten oder der Fernmanipulation. In Europa hergestellte BESS können dagegen so gebaut werden, dass sie strenge Cybersicherheitsstandards erfüllen und die souveräne Kontrolle über kritische Infrastrukturen ermöglichen.
Obwohl Europa in der Batterieforschung eine führende Rolle einnimmt und sich mit der European Battery Alliance ambitionierte Ziele gesetzt hat, bleibt die industrielle Fertigung von Batteriespeichersystemen (BESS) weiterhin zurück. Ein Großteil der heute eingesetzten Hard‑ und Software stammt nach wie vor aus Asien – allen voran aus China, wo staatliche Förderprogramme, massive Investitionen und eine strategisch ausgerichtete Industriepolitik die Entwicklung eines leistungsstarken Batteriemarkts entscheidend vorangetrieben haben.
Die Abhängigkeit von ausländischen BESS schwächt Europas Energieautonomie. Werden Lieferketten gestört, politische Beziehungen belastet oder Cyberrisiken ausgenutzt, kann die Speicherinfrastruktur nicht zuverlässig betrieben oder ausgebaut werden. Daher ist der Aufbau eines eigenen europäischen BESS‑Ökosystems unerlässlich.
Um die Resilienz des Energiesystems zu stärken, sind folgende Maßnahmen zentral:
In einer Ära der Instabilität kann sich Europa kein Energiesystem mehr leisten, das bei Störungen zusammenbricht.
Speicherung muss als kritische Infrastruktur behandelt werden. Von der Reaktion auf Stromausfälle zur Cybersicherheit, von Preisstabilitäten bis hin zur strategischen Autonomie – Batteriespeichersysteme sind die zentrale Lösung. Europa muss in seine eigenen Kapazitäten investieren, um BESS zu entwickeln, zu produzieren und einzusetzen – und das, bevor die nächste Krise eintritt. Europäische Entscheidungsträger müssen der Widerstandsfähigkeit von Energieversorgung eine hohe Priorität einräumen. Dazu gehört die Unterstützung des Einsatzes von BESS durch förderliche Vorschriften, die Finanzierung von Forschung und Entwicklung und die Erleichterung öffentlich-privater Partnerschaften.
Auf diese Weise kann Europa seine Energiesicherheit verbessern, seine Anfälligkeit verringern und den Übergang zu einer nachhaltigen Energieversorgung gestalten.
Quellen: Europäische Batterie-Allianz, Die Rolle von Batteriespeichern bei der Erreichung von Energieunabhängigkeit